Referenten:
Moderation: Dr. Konrad Melchers (Journalist, ehem. Chefredakteur von eins Entwicklungspolitik)
Dezentralisierungsbestrebungen in Afrika gewannen seit den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung. Das Ende des Kalten Krieges brachte mit dem Zeitalter demokratischer Transformationsprozesse auch die Erkenntnis, dass eine bürgernahe und effiziente Gestaltung politischer Entscheidungs- und Verwaltungsstrukturen notwendig sei, um leistungsfähige demokratische Systeme zu schaffen, die sich die Anerkennung ihrer Bürger verdienen und sich derart legitimieren.
Das Aufbrechen zentralistischer Verwaltungsstrukturen und Kulturen gewann phasenweise und länderspezifisch weitgehende politische und zivilgesellschaftliche Unterstützung. Reformen wurden (und werden) in Gang gesetzt, kontinentalweit vernetzen sich die Akteure (beispielsweise im United Cities and Local Governments of Africa) und die internationale Gebergemeinschaft unterstützt diese Bestrebungen im Rahmen ihrer technischen und finanziellen Zusammenarbeit. Deutschland zeichnet sich hierbei als einer der weltweit führenden Akteure im Bereich Good Governance und Dezentralisierung aus.
Allein die Bilianz aus zwei Jahrzehnten intensiver Unterstützung von Dezentralisierungsvorhaben in Afrika fällt ernüchternd aus. Effiziente lokale Verwaltungssysteme konnten lediglich in den wenigsten Ländern etabliert werden, entscheidende Rahmengesetzgebungen wurden in den meisten Ländern systematisch von der politischen Elite verweigert, die konsequente Umverteilung politischer und vor allem finanzieller Entscheidungs- und Verfügungskompetenz von der nationalen auf die regionale/lokale Ebene ist faktisch so gut wie nirgends gelungen!
Worin liegen die Ursachen für eine derartige Bilanz? Ist die politische Kultur nationaler Eliten in Afrika mit ihrer besonderen Wertschätzung der Verfügungsgewalt über Ressourcen ein entscheidender Knackpunkt? Wird sich Afrika zukünftig verstärkt an asiatischen wirtschaftlichen sowie politischen Leitbildern orientieren und somit zu zentralistischinterventionistischen Entwicklungsmodellen zurückkehren? Was bedeutet das für die westliche Gebergemeinschaft und für die Bundesrepublik Deutschland: Reicht der Verweis auf die Langfristigkeit und Komplexität derartiger Reformprozesse aus oder muss ein Umdenken auch bei den Gebern stattfinden?
Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit Ihnen und unseren Referenten diskutieren. Beginnen werden wir dabei mit dem Länderbeispiel Mosambik. Ein Land, welches einst als Hoffnungsträger eines weitgehenden Dezentralisierungsprozesses begann...
Der neue Koalitionsvertrag liegt vor und auch nach diesem Regierungswechsel sollen strukturelle als auch inhaltliche Punkte angegangen und „verbessert“ werden. Zudem soll ein „neues, ressort-übergreifendes Konzept“ für die Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent erarbeitet wer-den. Schwerpunkte liegen auf der Unterstützung der afrikanischen Sicherheitsbemühungen und der Stärkung der Afrikanischen Union (AU).
Gleichzeitig wird im Koalitionsvertrag auch die Forderung gestellt, dass „Außenwirtschaft und Ent-wicklungszusammenarbeit besser aufeinander aufbauen und optimal ineinander greifen“ müssen. Auch müssen „entwicklungspolitische Entscheidungen die Interessen der deutschen Wirtschaft, ins-besondere des Mittelstandes, angemessen berücksichtigen“.
Ist dieser Fokus auf Wirtschaftkooperationen nur das erste Mal so offen ausgesprochen worden oder wird die Entwicklungspolitik neu ausgerichtet? Welche Schwerpunkte können wir in der neuen Afrikastrategie erwarten? Diese und weitere Fragen möchten wir gerne mit unseren ReferentInnen und Ihnen gemeinsam diskutieren.
Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Sowohl die Entwicklung des Finanzsektors, als auch die Mikrofinanzen spielen für die Förderung von Unternehmen und Kleinunternehmen, Einkommenssicherung und Armutsbekämpfung in Afrika eine wichtige Rolle. Trotz deutlicher Fortschritte bei der Stärkung des afrikanischen Finanzsektors durch eine Welle von Reformen und die Privatisierung einheimischer Geldinstitute sind immer noch viele Herausforderungen zu meistern: nur 20 Prozent der Menschen in Sub-Sahara-Afrika besitzen ein Bankkonto, der eingeschränkte Zugang zu Finanzmitteln hemmt das Wachstum von Privatunternehmen. Hohe Kreditkosten verhindern einen breiten Zugang zu Investitionsmitteln. Die von Banken und Mikrofinanzinstitutionen zur Verfügung gestellten Kredite für Unternehmen und Privathaushalte sind immer noch viel zu gering, um Wachstum zu stärken und Armut signifikant zu mindern Besonders die ländlichen Regionen hat die „microfinance revolution“ noch nicht erreicht: In Afrika haben oft nur 5-6% der Bevölkerung auf dem Land Zugang zu Finanzdienstleistungen.
Die GTZ trägt in der Partnerschaft MFW4A dazu bei, die Effizienz und Effektivität von Maßnahmen zur Entwicklung des Finanzsektors in Afrika zu erhöhen.
PlaNet Finance Deutschland fördert Mikrofinanzen in bisher wenig erreichten Regionen in Afrika durch technische Unterstützung und Beratung und unterstützt junge Mikrofinanzinstitutionen bei ihren Bestrebungen wirtschaftlich unabhängig zu werden und eine größere Reichweite zu erzielen.
Im Dezember 2007 wurde die Gemeinsame EU-Afrika-Strategie verabschiedet. Vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Interessens- und Wertelage beabsichtigten Brüssel und die afrikanischen Staaten ihre Partnerschaft auf ein neues Niveau zu heben. Zur Erreichung gemeinsamer Ziele wurden mehrere Themenpartnerschaften definiert und mit Aktionsplänen versehen: Frieden und Sicherheit; Demokratische Regierungsführung und Menschenrechte; Handel und regionale Integration; Millenniumsentwicklungsziele; Energie und Klimawandel; Migration, Mobilität und Beschäftigung; sowie Wissenschaft, Informationsgesellschaft und Weltraum.
Deutschland hat die Federführung einiger dieser Partnerschaften auf europäischer Seite übernommen. Wir wollen mit der Veranstaltung einen Überblick über den aktuellen Stand der Strategie und ihrer Umsetzung erhalten sowie besonders die deutschen Schwerpunktthemen (Demokratische Regierungsführung und Energie) diskutieren. Darüberhinaus soll geklärt werden, inwieweit die Gemeinsame EU-Afrika-Strategie einen Rahmen für eine künftige Harmonisierung nationaler europäischer Afrikapolitiken sowie Leitfaden für die deutsche Afrikapolitik oder doch eher weitere Pflichtübung deutscher Außenpolitik ist.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt, eine Anmeldung ist nicht notwendig.
In den 90er Jahren hat Afrika die Wende zu kontinuierlichem Wirtschaftswachstum geschafft, macht nun die internationale Wirtschaftskrise wieder alles zunichte? Wie wirkt sich die Weltfinanzkrise auf die Wirtschaft
der Länder Subsahara-Afrikas aus?
Selbst wenn das Wachstum nur kurzfristig unterbrochen wird, mit welcher Strategie kann es gelingen, die Armut langfristig zu reduzieren? Afrika hat die Industrialisierungswelle, die in Asien Millionen von Arbeitsplätzen schaffte, verpasst. Wo sollen die Arbeitsplätze entstehen, die die Voraussetzung für die Bekämpfung der Armut sind? Hierüber möchten wir gerne mit zwei ausgewiesenen Afrika-Experten diskutieren.
Bruno Wenn ist als Leiter des Bereichs Subsahara Afrika der KfW Entwicklungsbank bestens mit der Wirtschaftsentwicklung und der deutschen Entwicklungzusammenarbeit vertraut, Prof. Rauch ist vor allem Agrarexperte und hat sich in seinem Buch „Afrika im Prozess der Globalisierung“ mit diversen Entwicklungsstrategien auseinandergesetzt. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion.
Das Bild, das in den internationalen Medien von Kenias Koalitionsregierung, angeführt von den ehemaligen politischen Rivalen Mwai Kibaki und Raila Odinga, nach etwas mehr als einem Jahr im Amt gezeichnet wird, spricht eine klare Sprache: Die neue Regierung konnte die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen und die gemachten Versprechungen auf den Gebieten der wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung, der Korruptionsbekämpfung sowie der richterlichen Untersuchung und Aufklärung der Morde und ethnischen Vertreibungen (tribal clashes) in den Tagen und Wochen nach den Wahlen im Dezember 2007, nicht halten. Während zu Beginn dieses Jahres knapp ein Drittel der Bevölkerung an Hunger litt und die Menschen um das alltägliche Überleben kämpfen, ist die politische Klasse vorwiegend mit der Sicherung ihrer Privilegien und Machtressourcen beschäftigt. Die Regierungskoalition verharrt im Stillstand, sowohl Raila Odinga als auch Mwai Kibaki stehen unter Korruptionsverdacht (etwa im Maisskandal und bei Erdölkonzessionen) und „all sides seem to have their snouts in the trough“, wie John Githongo, Kenias ehemaliger Anti-Korruptionsbeauftragter, im BBC bemerkt.
Die kenianische Gesellschaft ist noch immer oder mehr als je zuvor tief gespalten, zerrissen und frustriert. Muss Kenia mittlerweile als klassischer ‚failed state‘ bezeichnet werden? Wie sehen die politischen Perspektiven Kenias aus? Welche Strategien und Aktivitäten verfolgt die Zivilgesellschaft in der aktuellen Lage? Diese und weitere Fragen möchten wir mit den Referenten und Ihnen diskutieren und würden uns über Ihr Interesse sehr freuen.
Zwölf Jahre nach dem Ende des Apartheid-Regimes - im Jahr 2006 – hat das Zentrum für Soziologische Forschung der Universität von Johannesburg ca. 3.000 Haushalte in Soweto repräsentativ befragt. In dieser bislang einzigartigen Studie wurde eine Fülle von Informationen erhoben, die Aussagen über das ›neue‹ Selbstverständnis, den Wertewandel, die politische Orientierung, die Lebensziele und generell zur sozialen Lage der schwarzen Mehrheitsbevölkerung in der Millionen-Stadt Soweto geben können.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert wurden, liegen nun mehr vor und werden von Vertretern des Forschungsteams in Berlin präsentiert.
Neben der Diskussion von unmittelbar auf die Studie selbst bezogenen Fragestellungen bieten gerade die dort gewonnenen Einsichten hervorragende Hintergrundinformation für ein besseres Verständnis der aktuellen politischen Entwicklungen in der Republik Südafrika, wo am 22. April ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt werden wird.
Cheeseboys and amabourgeois: Perceptions of Class in Soweto
What does class mean to people in Soweto, South Africa’s biggest township, 12 years after the end of apartheid? Our study of a single township in the wake of a transition suggests strongly that people who are not sociologists mobilise the concept of class to explain new stratifications in South Africa. Our pro-ject investigates the restructuring of class in the ‘new’ South Africa, but also where people get their ideas about class. The biggest surprise for us was that 66 percent of Sowetans believe themselves to be mid-dle class – including people who live in tin houses that they built themselves in informal settlements! Why do so many different kinds of people see themselves this way? We also found that employment and un-employment is much more complicated than this dichotomy suggests. We had to invent new categories such as partial work and ‘fill-in’ to categorise the whole spectrum of employment possibilities. But are partially employed people too poor to be unemployed? And we looked at people’s attitudes to key politi-cal issues, such as the controversial South African politician Jacob Zuma. And we answer the question, what is a cheeseboy?
Der Afrikakreis findet dieses Mal in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.